LEAF (Linking and Exploring Authority Files)
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PROJEKTSYNOPSE

Hintergrund

Mit der zunehmenden Vernetzung heterogener Datenbestände und dem wachsenden Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Institutionen steigt der Bedarf an hochwertigen Normdaten. Daher widmen sich Bibliotheken, Archive, Museen und Dokumentationszentren derzeit intensiv dem Bereich der Normdateninformation.

Während im Bibliothekssektor auf nationaler Ebene mehrere Namennormdateien nebeneinander bestehen und derzeit Versuche unternommen werden, diese miteinander zu verbinden, gibt es momentan keine nationale oder internationale Namennormdatei, die in Bibliotheken, Archiven, Museen und Dokumentationszentren gleichermaßen genutzt wird. Auch ist derzeit kein standardisiertes europäisches Format für Namensätze verfügbar.

Die Nutzung existierender Normdateien ist im allgemeinen größeren Organisationen vorbehalten sowie solchen, die in Normdatenprojekte involviert sind oder waren. Daher ist der Gebrauch von Normdateien nicht sehr verbreitet. Kleinere Institutionen benutzen lokale Dateien, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind und deren Inhalte im allgemeinen anderen Institutionen nicht zugänglich sind. Außerinstitutionelle Benutzer profitieren momentan kaum von Normdateninformation, da sie meist gar nichts von deren Existenz wissen.

Ein beträchtliches Maß an Forschungs- und Entwicklungsarbeit wurde bisher im Bereich verteilter virtueller Katalogsysteme unternommen, jedoch wurde bisher nicht versucht, die Daten in Hinblick auf einen einheitlichen Zugang über Search & Retrieval-Gateways zu harmonisieren. LEAF bietet einen völlig neuen Lösungsansatz für dieses Problem.

Ziele

LEAF entwickelt eine Modellarchitektur für ein zentrales System, in dem existierende Normdaten zu Personen und Körperschaften automatisch miteinander verlinkt werden. Die Normdaten werden von den lokalen Servern der teilnehmenden Organisationen in das zentrale LEAF-System geladen und dort im Format EAC (Encoded Archival Context) gespeichert. Regelmäßige Updates werden gewährleisten, dass die Daten im zentralen LEAF-System stets so aktuell wie möglich sind. Die Suchergebnisse von Recherchen im LEAF-System werden automatisch in einem "Zentralen Normdatenpool" gespeichert, der somit hochwertige benutzerrelevante Information enthält, da es sich hier ausschließlich um Datensätze handelt, nach denen bereits einmal gesucht wurde. Organisationen, die ihre Normdaten verbessern wollen, werden mithilfe dieses Datenpools feststellen können, welche Datensätze vorrangig zu edieren sind. LEAF wird außerdem Möglichkeiten zur Datenkommentierung und zum Datendownload anbieten: Registrierte Benutzer können Datensätzen Anmerkungen hinzufügen und somit die Datenqualität verbessern. Kommerzielle Anbieter, wie Autographenhändler, können auf Objekte hinweisen, die sie gegenwärtig anbieten. Institutionen, deren Daten bisher online nicht zugänglich sind, können anzeigen, dass auch sie über relevante Information zu einer Person verfügen. Der Benutzer wird die Möglichkeit haben, LEAF-Datensätze in verschiedenen Formaten herunterzuladen sowie die lokalen Datensätze anzeigen zu lassen, aus denen ein LEAF-Datensatz generiert wurde. Ein LEAF-Datensatz kann als Sucheinstieg für eine Recherche nach Dokumenten der betreffenden Person bzw. Körperschaft dienen. Die LEAF-Projektergebnisse werden in den internationalen Online-Suchservice MALVINE integriert werden, der Informationen zu modernen Manuskripten und Autographen anbietet.

Somit wird MALVINE zu einem globalen, mehrsprachigen Informationsservice zu Personen und Körperschaften erweitert. Die LEAF-Modellarchitektur soll auch auf andere kulturelle und wissenschaftliche Objekte und Daten anwendbar sein, wobei durch den Gebrauch von Normdaten jeweils sichergestellt ist, dass die entsprechenden Daten in bestmöglicher Qualität vorliegen. LEAF wird somit demonstrieren, wie durch eine dynamische Benutzer-Interaktion mit kulturellen und wissenschaftlichen Inhalten das Angebot verbessert werden kann.

Innovation

Ziel ist es, ein Modell für einen gemeinsamen Normdatenpool zu entwickeln, der sich aus tatsächlichen Nutzeranfragen generiert. Dieser neue Ansatz berücksichtigt erstmals, dass Namensnormdaten der wichtigste Ausgangspunkt für jede Initiative im Bereich der Dokumentation des europäischen kulturellen Erbes sein könnten. Ferner geht das Modell davon aus, dass das derzeit größte Hindernis für eine effektive Kooperation im Normdatenbereich darin besteht, dass einerseits für Institutionen unterschiedlicher Größe verschiedene Voraussetzungen gelten und andererseits die Praktiken regional und national differieren. Der innovative Ansatz von LEAF muss daher in einer ganz konkreten Anwendung demonstriert werden.

  • LEAF wird in einem Search & Retrieval Kontext zu Daten moderner Manuskripte und Autographen demonstriert. Dieses Szenario wird insbesondere auf der Nutzung biographischer Information und / oder Information über Körperschaften beruhen.
  • Lokale Normdaten werden in das zentrale LEAF-System geladen und dort im EAC-Format gespeichert.
  • Datensätze, die sich auf dieselbe Person bzw. Körperschaft beziehen, werden verlinkt.
  • Positive Suchergebnisse werden in einem "Zentralen Normdatenpool" ("Central Name Authority File") gespeichert, der folglich mit jeder Anfrage wächst und nur solche Daten enthält, nach denen die Benutzer tatsächlich gesucht haben.
  • Registrierte Benutzer können mit den Datenanbietern und anderen Benutzern kommunizieren, indem sie Datensätze kommentieren, wodurch die Datenqualität unter Umständen verbessert wird. Anmerkungen werden suchbar sein.
  • Registrierte Benutzer können Datensätze in verschiedenen Formaten herunterladen.

Erfolgskriterien

Der Erfolg von LEAF wird anhand folgender Kriterien gemessen:

Technik: Die technischen Systemanforderungen an den LEAF Demonstrator müssen erfüllt werden. Anhand des Demonstrators wird die Umsetzbarkeit der Modellarchitektur und des gewählten Ansatzes gezeigt.

Anforderungen: Während einer Testphase innerhalb der Projektzeit werden Benutzertests durchgeführt und anschließend analysiert.

Feedback: Während dieser Testphase wird das Feedback der Benutzer analysiert.

Allgemeines Feedback zu LEAF: Das Interesse an LEAF seitens anderer Projekte, Gemeinschaften, Standardisierungsorganisationen etc. muss ermittelt werden.

Das Projekt wird in drei Phasen durchgeführt:

  • Phase 1: Anforderungsanalyse
  • Phase 2: Softwareentwicklung und -test
  • Phase 3: Evaluierung und Bewertung

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